KINDER- UND JUGENDLICHEN-PSYCHOTHERAPIE
Zeitschrift für Psychoanalyse und Tiefenpsychologie

Die führende
Fachzeitschrift für
Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalyse

Aus dem Inhalt 

  • FRANK DAMMASCH

    Sexualtrieb, soziales Leid und die Entwicklung
    eines Forschungsteams
    aus der Frühzeit der Psychoanalyse

    Entlang der Linie des Buches Intimität und soziales Leid – Archäologie der Psychoanalyse von Alfred Lorenzer wird eine Skizze der medizinischen und erkenntnistheoretischen Wurzeln der Psychoanalyse entfaltet. Es wird einerseits die Bedeutung und Sichtbarmachung der Sexualität für die Neurosenbildung im Laufe der Zeiten herausgearbeitet, andererseits konzentriert sich der Aufsatz auf die radikale Veränderung der Arzt-Patientin-Beziehung und die Entwicklung eines szenischen Verstehens durch Freud.

    Anhand der Freudʾschen Fallnovelle ›Katharina‹ wird der Wandel von der medizinischen Hierarchie zwischen Wissendem (Arzt) und Nichtwissenden (Patient) hin zu einer forschenden Zweierbeziehung zur gemeinsamen Versprachlichung der sozial unterdrückten krankmachenden triebdynamisch aufgeladenen Erlebnisszenen dargestellt. Schon der Trieb basiert in Lorenzers Konzept auf einem bio-sozial hergestellten szenischen Erlebnismuster.

    Es geht also um das Wechselspiel zwischen gesellschaftlichen Verhältnissen und dem Subjekt, dessen Innenwelt bereits die szenischen Niederschläge des Konflikts zwischen Kultur und Natur, zwischen Körperfiguren und Zuschreibungen enthält.

  • HEINZ MÜLLER-POZZI

    Der Andere und die infantile Sexualität

    Die Frage, wie der Mensch zu seiner ihm eigenartigen, nicht endogen vorgegebenen, infantilen Sexualität kommt, ist damit aber erst zur Hälfte beleuchtet. Ich habe ihre Entstehung aus der Perspektive des werdenden Subjekts beschrieben. Wenn auch bereits gebrochen durch die Theorie der Anlehnung, hat Freud die infantile Sexualität doch im Wesentlichen als primären, in der biologischen Lebensordnung begründeteten und angeborenen Trieb aufgefasst, der sich gleichsam naturwüchsig-biologisch aus sich selbst heraus entwickelt.

    Der Widerspruch dieser Annahme zur Entstehung durch Anlehnung störte ihn nicht. In einer radikal anders zentrierten bzw. dezentrierten Interpretation der zweiten der Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie entpuppt sich jedoch die Entstehung der infantilen Sexualität als polarer intersubjektiver Prozess. Nun gilt es, den anderen Pol, die Bedeutung des Anderen in der Entstehung der infantilen Sexualität, näher ins Auge zu fassen.

    Freud hat das Konzept des Befriedigungserlebnisses bereits 1895 im Entwurf und 1900 in der Traumdeutung, also bereits zehn Jahre vor der Einführung der infantilen Sexualität, entworfen, es dann aber nicht weitergeführt. Das Befriedigungserlebnis könnte recht eigentlich das organisierende ­Moment einer Triebtheorie werden, die die Entstehung des Triebs und der infantilen ­Sexualität im Feld des Anderen situiert.

  • TIMO STORCK

    Übertrieben?

    Zur Relevanz der psychoanalytischen Triebtheorie
    für die Entwicklungspsychologie

    An die psychoanalytischen Konzeptualisierungen von infantiler Sexualität oder Trieb kann die Frage nach deren Relevanz gestellt werden. Im vorliegenden Rahmen werden zwei konzeptuelle Argumente entwickelt: Zum einen wird »Trieb« als etwas erörtert, das sich auf eine psychosomatische Vermittlungsfunktion, auf die Vermittlung von Erregung in Erleben bezieht. Triebpathologien werden dann verstehbar als Unterbrechung einer solchen Vermittlung oder Verbindung, eingebettet in eine Konzeptualisierung der Rolle leiblicher Begegnung mit Anderen, die das Erleben von Berührung als Kontakt an einer Grenze bedeutet.

    Zum anderen kann »Trieb« in einer dialektischen Weise als etwas verstanden werden, das sich auf die wechselseitige Regulation von Erregung und Beruhigung bezieht. Schließlich werden im Rahmen einer psychoanalytischen Körper-Nosologie die Konsequenzen für Krankheitsverständnis und Behandlungstechnik in der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie skizziert. 

  • INGE SEIFFGE-KRENKE

    Unvermindert aktuell und
    heute wichtiger denn je:
    die Bearbeitung des ödipalen Konflikts

    Am Beginn der psychoanalytischen Theorienbildung wurde der Ödipuskomplex als zentral für die Ursache psychischer Störungen angesehen. Seit der Konzep­tion von Freud sind starke familien­dynamische und gesellschaftliche Veränderungen eingetreten, die zu einer Diskussion geführt haben, ob der Ödipus­komplex gegenwärtig obsolet sei.

    Der Beitrag zeigt anhand von Fallbeispielen, in denen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine unangemessen starke Rolle in der Familie zukommt und anhand von aktuellen Entwicklungen wie der Zunahme von Transgender-Patienten, dass ödipale Konzepte möglicherwiese sogar bedeutsamer sind als früher, da wesentliche Lern­prozesse wie die Generationendifferenzierung, der ödipale Verzicht und Größenphantasien in der Therapie zu bearbeiten sind. Der ödipale Konflikt ist eingebettet in Konzeptualisierungen von verschiedenen intrapsychischen Konflikten im Sinne der OPD-KJ und weist Bezüge zur Struktur­pathologie auf.

    ­Therapeutisch ist die Bearbeitung des vollständigen Ödipuskomplexes notwendig; verkürzte Darstellungen des Ödipuskomplexes sind offenkundig eine Ursache für die Idee des ­Obsoleten. 

  • ULRICH A. MÜLLER

    Schöpferische Lust als Ausweg
    aus der Not des Lebens

    Ausgang und Dynamik psychischer Konflikte im Spielen

    Die Fähigkeiten zum Spielen ist Ausgangspunkt jeder Entwicklung und insofern auch Grundlage der Kultur. In Anlehnung an Donald Winnicott erschließt sich dem Autor in der Lust des Kindes zum Spielen die Befähigung, sich eine bis dahin unbekannte Welt bekannt zu machen, und eröffnet dadurch Möglichkeiten zur schöpferischen Aneignung des gleichermaßen Bedrohlichen wie Reizvollen. Ausgehend von den Säuglingsbeobachtungen Winnicotts und weitergehend in der Darstellung und Diskussion eigener klinischer Praxis mit Kindern wie auch mit heranwachsenden Jugendlichen wird die Bedeutsamkeit der Fähigkeit des Spielens erörtert und in ihren Möglichkeits­räumen ausgeleuchtet.

    Das Spiel, das auch den Erwerb des Sprechens einschließt, wird dabei als zentrales Moment der Triebentwicklung gedeutet, in der sich letztlich das Ziel ausdrückt, das Leben zu ermöglichen und sich im Weiterleben die Realität der Lebenswelt anzueignen und schöpferisch in ihren Facetten auszuprobieren und auszukosten. Dass die Angst als gleichsam kategorische Angst vor der Bedrohung des Lebens wie auch als Angst vor dem Unbekannten Motor des Impulses zur fortgesetzten Schöpfung ist, ist Ausgangspunkt der Überlegungen des Autors.

    Die Fähigkeit zum Spielen wird als kreative Aneignung in der realen Not des Lebens beschrieben, die sich daher folgerichtig in der analytischen Behandlung zur Bearbeitung von Krisen anbietet und implizit die Chance zur Sublimierung der Triebimpulse bietet. 

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